Oper von Guiseppe Verdi: „Les vêpres siciliennes“

Zu den renommiertesten Opernhäusern auf der Welt gehört die Bayrische Staatsoper. Dabei zählen das Nationaltheater, das Prinzregententheater, das Alte Residenztheater und die Reithalle in München zu den Spielstätten.

Ein Besuch einer der Spielstätten der Bayrischen Staatsoper darf bei einer Reise nach München nicht fehlen. Vor allem für Kulturinteressierte ist eine Vorstellung in der Bayrischen Staatsoper ein Highlight.

Eine sehenswerte Oper ist „Les vêpres siciliennes“ des weltbekannten Komponisten Guiseppe Verdi. Im Münchner Nationaltheater wird die Oper erstmals in französischer Sprache aufgeführt. Es werden aber deutsche und englische Übertitel eingeblendet.

Der Inhalt

„Les vêpres siciliennes“ ist ein Stück, das in fünf Akten eingeteilt ist. Die Handlung spielt im 13. Jahrhundert und erzählt von der französischen Besetzung Siziliens. Genauer geht es um den Aufstand der Sizilianer gegen die Franzosen. Mittendrin befindet sich die Herzogin Hélène, die sich für den Tod ihres Bruders rächen will, der durch die französische Besetzungsmacht starb.

Hélène steht in einer romantischen Beziehung zum Widerstandskämpfer Henri. Er war in französischer Gefangenschaft, wurde allerdings frei gelassen. Im Laufe der Oper stellt sich heraus, dass Henri der leibliche Sohn des französischen Gouverneurs Montfort ist.

Als Hélène Montfort als Akt der Rache erdolchen will, rettet Henri ihm das Leben. Da Henri nun weiß, dass er der Sohn Montforts ist, wird seine Romanze zu Hélène kompliziert. Hélène glaubt nämlich, Henri hätte sie verraten.

Und er ist hin und her gerissen: Steht Henri zu seiner Hélène oder zu seinem Vater Montfort? Als sich Henri zu seinem Vater bekennt, darf er Hélène schließlich heiraten. In dem Stück werden also Themen wie Zugehörigkeit und Loyalität behandelt.

Was dem Regisseur Antú Romero sehr gut gelingt, ist die Übermittlung der Kernaussage der Oper. Denn jede Geschichte hat schließlich auch eine Moral. Was wollte Antú Romero seinem Publikum mit dieser Inszenierung von „Les vêpres sicilienne“ sagen? Neben Loyalität und Zugehörigkeit wird auch die Freiheit thematisiert.

In „Les vêpres siciliennes“ steht die französische Besetzung Siziliens im Vordergrund. Dabei stellt die Besetzung eine Diktatur dar. Die Besetzung ist eine Eroberung Siziliens, die Franzosen gleichen Eindringlingen. Die französische Besetzung kommt nach Sizilien und übt einfach Macht über dessen Bewohner aus.

Die Folge: Die Sizilianer sind in ihrer Freiheit eingeschränkt. Die französische Besetzungsmacht unterdrückt die sizilianischen Bürger. Während für uns das individuelle Gestalten des eigenen Lebens völlig selbstverständlich ist, hatten die Sizilianer diese Freiheit im 13. Jahrhundert nicht.

Freiheit bedeutet also das eigene, individuelle Leben gestalten zu dürfen. Mit den Franzosen an der Macht können die Sizilianer nicht frei sein, sie sind von ihnen abhängig. Auch die Liebe der beiden Hauptfiguren wird durch die Besetzung der Franzosen beeinflusst.

Die Freiheit ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Jeder möchte unabhängig und autark sein. Und ohne dieses Grundbedürfnis ist der Mensch verloren. Dies verdeutlicht Antú Romero in seiner Inszenierung der Oper. Denn die Besetzung gleicht einem Sterbensprozess. Durch die Besetzung der Franzosen, leben die Sizilianer unfrei, und sie sind dem Tod geweiht.

Romero zeigt: Ohne diese wichtige Grundlage des Menschen, nämlich der Freiheit, die den Sizilianern genommen wird, kann ein Mensch nicht leben. Woran lässt sich das an der Inszenierung erkennen? Die Darsteller sind dunkel gekleidet, die Maske erinnert an Zombies. Auch das Bühnenbild ist düster gehalten. Die Darsteller sehen aus wie Zombies. Das heißt: Sie leben gar nicht richtig.

Insgesamt wirkt das Stück sehr düster und der Fokus liegt oft auf den toten Figuren der Oper. Beispielsweise gibt es den toten Bruder von Hélène, für den sie sich rächen will. Die lebenden Figuren richten ihr Handeln nach den toten Figuren. Auch das betont den Sterbensprozess durch die Besetzung der Franzosen.

Erst als der Widerstandskämpfer Procida über die Franzosen herfällt, befreit er die Sizilianer. Procida beharrt immer wieder auf den Aufstand gegen die Franzosen. Er kann einfach nicht ohne die Freiheit leben, deswegen kämpft er mit allen Mitteln um sie. Zum Schluss der Oper symbolisiert das Massaker die Befreiung der Sizilianer und auch die Wiederauferstehung dieser.

Die Darsteller

Die Hauptrolle der Hélène spielt Rachel Willis-Sorensen. Die Opernsängerin war Mitglied des Houston Grand Opera Studios und drei Jahre lang stand sie für das Ensemble der Semperoper Dresden auf der Bühne. Rachel Willis-Sorensen trat unter Anderem in Wien, in New York und in London auf. Die Rolle der Hélène verkörpert sie überzeugend und gekonnt. Ihrer Stimme verleiht die Opernsängerin, passend zum Stück, viel Dramatik.

Die zweite Hauptrolle wird von Bryan Hymel übernommen. Auch er stand schon viel auf der Bühne. Außerdem wurde er mit dem Preis der Verdi Aria Competition ausgezeichnet. Bryan Hymel trat ebenfalls auf ausländischen Bühnen auf. Zusammen mit Kollegin Rachel Willis-Sorensen bringt er die verzweifelte Liebesgeschichte von Henri und Hélène mit Bravour dem Publikum näher.

Mit viel Leidenschaft trägt auch der Schauspieler von Widerstandskämpfer Procida, Erwin Schrott seine Rolle vor. Für ihn ist es wichtig, dass er sich in seiner Rolle wohlfühlt, dafür muss Erwin Schrott die Musik in seinen „Körper hinbekommen“. Für die Rolle des Procidas hat sich Schrott bei der Entwicklung seiner Stimme viel Zeit genommen. Dies beweist er auch auf der Bühne der Bayrischen Staatsoper. Mit einer selbstbewussten und dominanten Stimme tritt Erwin Schrott als Procida auf.

Das Bühnenbild und die Kostüme sind recht dunkel gehalten. Das macht einen düstereren Eindruck. Zur Tragik der Handlung passt das Bühnenbild auf jeden Fall. Schwarze Vorhänge und Nebel sorgen tragen ebenfalls zur düsteren Stimmung bei.

Regisseur Antú Romero bringt mit seiner Besetzung und dem melancholischem Bühnenbild die Tragödie der Sizilianischen Vesper gekonnt auf die Bühne. Die Handlung ist so spannend wie ein Krimi und fesselt den Zuschauer. Die dreieinhalb Stunden Spielzeit vergehen dabei wie im Flug. Insgesamt überzeugt die Oper „Les vêrpes siciliennes“. Denn die Besetzung und das Bühnenbild geben die Melancholie des Stückes eindrucksvoll wieder. Dem Zuschauer wird besonders klar, wie wertvoll die Freiheit ist. Der Regisseur richtet auch einen Appell an das Publikum: Schätzt eure Freiheit! Denn ohne ihr fängt der Tod an.